unser Leben auf 12 Metern

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 6 anderen Abonnenten an

smueller

Nach einer unruhigen Nacht, in der Windspitzen bis 28 Knoten gemessen wurden und unser Anker uns trotzdem sicher gehalten hat, machten wir uns auf den Weg nach Ermioni. Gleich nach der Passage der Buchtausfahrt setzten wir die Segel. Ein mässiger Wind aus NW beschleunigte uns auf gut und gern 6 Knoten. Vorbei an Spetses führte uns der Weg schnurstracks in eine Flaute. Wir nutzten diese für einen Badeplausch mitten im Meer. Nachdem die Flaute ausgestanden ist und der Wind nun aus Süd kommt, setzen wir unseren Weg in Richtung Ermioni fort. Ereignislos passieren wir den Ostzipfel von Hydra und kurze Zeit später machen wir wieder römisch-katholisch in Ermioni an der Aussenmole fest. Wir kauften uns noch ein paar Lebensmittel, reservieren für den Znacht (war aber eigentlich nicht notwendig) und machten etwas Siesta… Dann ein feines Znacht im ältesten Restaurant am Platz und dieser Tag war auch bereits Geschichte.

Heute warf ich zuerst einen Blick in die Bilge. Trocken!

Ein Besuch beim Yachtyardmanager Evangelos Iliou stand an. Wir wollten nach dem Paket von SVB fragen. Dort drin sind ein paar Teile für wichtige erste Projekte, die es im Sommer zu verwirklichen galt. Der freundliche Herr wusste leider gar nichts über dieses Paket. Nunja, wie auch immer… wir wollten ja heute unsere Reise nach Paros beginnen. So kann ich auch etwas Urlaub machen.

Die Fahrten von und zu stanfali wurden übrigens im Rahmen der Dinghy-Fahrschule von den Kindern absolviert. Die ersten Meter sind ja die schwierigsten und so bekundeten beide Mühe beim geradeausfahren und Kurshalten. Motor anlassen war noch gar nicht möglich… Aber das wird schon…

Die Reise begann also mit dem ersten Schritt, der Einweisung der Crew. Die vielen do’s und dont’s ergaben Hunger und nach dem Mittagessen fuhren wir los. Wettercheck auf dem Navtex, keine Warnungen, SW 3-4 versprachen angenehmes Segelwetter bis Porto Heli; ist ja auch furchtbar weit weg. Die Crew machte von nun an eine steile Lernkurve mit. Mooring tief, um das Wrack herum, in tieferes Fahrwasser, durch den Schiffsalat in der Bucht, zwischen Kilada und der Privatinsel durch und dann Richtung SW, um die erste Ecke, endlich segelbarer Wind, Tücher hoch, der Crew erklärt, was Grossschoten und Genuaschoten sind, fieren und dichtholen bedeutet, und dann gemütliches Cruisen bis Porto Heli. Motor an, Tücher runter, Anker vorbereiten und dann, etwas nervös, meinen ersten Anleger römisch-katholisch überhaupt durchführen. Erster Anlauf, hat geklappt. Mann, bin ich zufrieden!

Wir wollten nur schnell einkaufen und dann in die Ankerbucht verholen. So ist die Crew aufgebrochen, dem nahen Supermarkt einen Besuch abzustatten. Ich sollte in ein paar Minuten nachkommen, um die schweren Sachen zu schleppen. Die Zwischenzeit benutzte ich, etwas klar Schiff zu machen. Ich musste meinen Adrenalinspiegel noch etwas anschauen, dann verschwand dieser und ich konnte mich auf’s schleppen konzentrieren.

Der Ableger war dann bis auf das Problem mit der Kette, die sich beim Einholen gerne etwas türmt, bis es dann zu Eng wird und die Kette verklemmt, unspektakulär und das folgende Ankermanöver fast schon langweilig, alles hat geklappt und wir badeten noch etwas in der Brühe.

Was z’essen und dann ab ins Bett. War eigentlich geplant, aber eben, der Wind frischte auf, und ich war zum ersten mal alleinverantwortlich. Somit musste ich auch gucken, ob der Anker hält. Ich steckte noch etwas Kette und legte mich dann wieder hin. Ich kann es vorweg nehmen, der Anker hat bislang jedes mal gehalten, wenn er eingegraben war. Das konnte ich aber noch nicht wissen und wachte immer wieder auf um mich zu orientieren. Und so ist auch diese Nacht vorüber gegangen. Irgendwann ist noch so ein Seglerungetüm angekommen, zuerst habe ich gedacht, der driftet auf uns zu bis ich gemerkt habe, dass der enorm gross ist und sehr weit weg. Keine Panik Stephan.

Die erste Nacht mit der ganzen Familie verlief sehr ruhig. Anders sah es dann am Morgen aus. Zuerst ahnte noch keiner was. Dann frage Angie, wass dass den für Flecken seien auf den Bodenbrettern, die habe sie gestern schon gesehen… Ich hob die Bilgenbretter hoch und was musste ich sehen, Wasser Wasser Wasser…. Sonshit… der Geschmackstest verriet nichts gutes, das Wasser war salzig. Nun lief alles wie im Film ab. Wasser raus und Quelle suchen.

Zuerst mal musste das Wasser weg. In der Hektik vergass ich die Lenzpumpe, wir hoben als erste Familientat auf dem Schiff 15 – 20 volle 10 Liter Eimer durch die Salonluke. So was aber auch. Als die erste Überschemmung weg war, machte ich mich auf die Suche nach dem Leck. Schnell konzentrierte ich mich auf die Seewasserfusspumpe. Als Angie diese gestern verwendete um zu Spülen fiel ihr auf, dass auf dem Boden unter der Pumpe eine kleine Wasserlache war. Ausserdem roch es nach verfaulten Eiern… zum Glück nur kurz.

Das Bodenbrett unter der Pumpe wurde entfernt und tatsächlich, ein kleines Rinnsal ergoss sich. Der Bereich wurde komplett getrocknet und das Rinnsal war immer noch da. Nun das Seeventil zu und nochmals trocknen. Jetzt war gut. Das Übel war gefunden. Die Membran der Fusspumpe ist defekt. Diese auszubauen dürfte eine Winterarbeit werden.

Beim Trocknen der Bilge entdeckte ich ein paar Sachen, die ich korrigieren muss. Zum Beispiel sind die Löcher, die die Bilgensektionen miteinander verbinden, sind teilweise verstopft. Da eh alles feucht war, benutzte ich die Gelegenheit und drang dabei in Galaxien vor, die nie zuvor ein Mensch gesehen hattte… ich klemmte mir sogar die Hand unter der Küchenkonsole so ein, dass ich nur mit Mühe und etwas Spüli wieder raus kam. Kein Wunder war diese Ecke der Bilge nicht neu gestrichen worden. Auch die Verkabelung des Ankerspill will überarbeitet werden. Wo die Kabel überall durchgehen und an den Kanten scheuern, geht über keine Kuhhaut. Die Abstützung der Bodenbretter werde ich überarbeiten, teilweise sind die Stösse so gelegt, dass die Bretter über die runden Auflagen abrutschen können. Sieht original aus. Der Einwand, das hat nun 30 Jahre so gehalten lasse ich zwar gelten weil es stimmt, aber ich kann das mit geringem Aufwand so korrigieren, dass die Knarrerei aufhört und die Bretter auch gut rein- und rausgehen.

Wir fuhren nach dem Schock an die kleine Ankerbucht um die Ecke. Dort konnten die Kinder erstmal ein Bad im Meer nehmen. Das war ein Schauspiel! Ich trocknete weiter an der Bilge rum und fand noch ein paar Sachen zum Ändern 🙂

Nach gut 3 Stunden traten wir dann den kurzen Rückweg an die Mooring an. Es war bereits wieder am eindunkeln und hungerstillen stand zuoberst auf der Todo-Liste.

 

Nachdem wir akustisch aus der Kabine geworfen wurden, haben wir Flugs gepackt und dann 20 Minuten gewartet bis die Garage geöffnet wurde. Zuvorderst war eine Türe offen, da konnte den Matrosen beim Anlegemanöver zugeschaut werden. Knochenjob. Dann ist wieder alles ganz schnell gegangen und wir stehen im Verkehrsgewusel von Patras.

Über ein paar Umwege kommen wir auf die Schnellstrasse nach Korinth, Autobahn kann man dieser Piste leider nicht sagen, aber man kommt schnell voran. Die Griechen sind fleissig und haben alle Kilometer wieder eine Baustelle, es soll mal eine Autobahn werden. Wir sehen dann…

Korinth, das Kaff kenne ich von den Besichtigungen, denke ich. Nix da. Ich hab mich mal ordentlich verfahren. Eigentlich wollte ich zum Supermarkt, der so quasi an der Strecke nach Kilada lag, das letzte mal wenigstens noch. Aber, wie ich später feststelle, ich bin halt einfach 10 Kilometer zu früh ab der Piste. Hier sieht irgendwie alles vertraut aus, kann auch daran liegen, dass alles irgendwie gleich aussieht. Wie auch immer, mit der Nase im Wind findet man den Konsumtempel auch von der anderen Seite, es dauert halt etwas… Frisch verpflegt nehmen wir den Rest unter die Räder. Angie fährt und ich schaue mir die Ggegend an. Im Hochsommer ist es hier noch trockener als im Frühsommer. Und die Griechen fahren wie sie wollen. Wir haben fast kein Diesel mehr, es sollte aber bis Kilada reichen (tut es dann auch).

Der erste Bergpreis bei Epidavros geht verloren wegen eines Lastwagens, dafür wurde er Reifen-, Nerven- und Tankschonend absolviert. Der zweite konnte fast gewonnen werden, allerdings war da noch so ein Grieche, der im Weg stand… egal. Die Windmühlen zur rechten konnten wir nun zur Bucht wo unsere Stanfal lag heruntersehen. Das Herz schlug höher, mit jedem Meter.

Dank rechtzeitiger Ansage erwischte Angie den Abzweiger nach Kilada beim ersten Mal. Und schon standen wir vor der Einwasserstelle. Wir machten es etwas spannend und fragten die Kiddies, welches Schiff denn unseres sei, vom Kat über Ketsch hatten wir dann alles im Programm, aber schliesslich gab sich Stanfali zu erkennen. Freude herrscht!

Mit dem korintschen Ausritt sind wir dann auch gute 1-2 Stunden später als ursprünglich angekündigt angekommen. Philipp stand dennoch bereit und setzte uns über. Herzlichen Dank dafür.

Aus der Dinghifahrschule wurde dann leider noch nichts, und nach einem kleinen Nachtessen sind wir alle todmüde ins Bettchen gefallen.

Ein toller Tag…

Griechenland wir kommen!

Der Wecker geht ab. Es ist 01:30. Dienstag, 8. Juli 2014. Ich kratze mich am Kopf, es ist so weit. Das Auto ist gepackt, getankt. Ich fühle mich Ausgeschlafen 😉 bin aber hellwach. Leise werden die letzten Vorbereitungen getroffen, die Kinder sollen noch nicht erwachen. Kühltasche runterbringen, Kinder Wecken, und es geht auch schon los. Wir fahren nach Griechenland. So geil!

Schon beim Aufstieg zum Gotthard, Stau ist heute Mangelware, beginnt es zu Regnen. Die Schweiz macht uns das Verlassen einfach. Nach dem Gotthard wirds immer schlimmer mit dem Regen, teilweise gibt es akutes Aquaplaning, zum Glück bin ich so wach… Rasch sind wir in Coldrerio, da wird noch mal gepieselt, die Beine vertreten und weiter gehts.

Kurz nach der Grenze hört der Regen auf, es wird das letzte mal für 3 Wochen sein, dass wir ein nasses Auto haben.

Der Tag erwacht langsam, ausser der kurzen Umleitung in Saronno wegen eines Unfalles gibt es auf der Strecke bis Ancona keine Besonderheiten. um 09:30 sind wir bereits in der Eincheckhalle, Lisa und ich besorgen uns die Tickets und kurze Zeit später warten wir am Fähranleger. Der Topf ist bereits da. Imposante Grösse, keine Frage. Wann bin ich eigentlich das letzte mal mit so einer Fähre unterwegs gewesen…. ist noch gar nicht so lange her, allerdings ohne Auto war ich mit Ralph die kleine Trireme 38 in Uusikaupunki besuchen.

Um 11 Uhr dürfen wir rein. Genial. Kurzes geholper bei den Rampen und schon stehen wir auf Deck 7 fast auf Pole-Position zum rausfahren in Patras.

Alle sind etwas hektisch (warum eigentlich?), und keine 5 Minuten später sind wir auch schon in unserer gemütlichen 4-Bett Innenkabine. Klima ist voll eingestellt und es fühlt sich an wie im Kühlschrank. Nett.

Die Strapazen der Reise lassen sich nun nicht mehr verbergen und wir machen einen kurzen Vor-Mittags-Erholungspowernuck. Das ist ja was, die Kiste ist immer noch im Hafen und wir haben bereits eine Stunde geschlafen.

Die folgenden 24 Stunden vergehen bei mir wie im Fluge, ich weiss noch, dass wir an Deck etwas gegessen haben, dann wieder runter, anschliessend in die zweitvorderste Lounge, Abendessen im Restaurant achtern, Schlafen, wieder erwachen, Igoumenitsa von oben (nur der Hafen), noch etwas rumstreunen und schon ist die Ansage, dass wir die Kabinen räumen müssen da Patras in der Nähe sei…

Die Jeanneau „Sun Fizz 40“ mit Jahrgang 1984 wurde von Philippe Briand gezeichnet. Sie ist in den Vereinigten Staaten von Amerika auch unter dem Namen „O’Day 39“ vertrieben worden.

Mit einer Gesamtlänge von 11.75 m fällt sie knapp unter die magische Grenze von 12m, ab der alle Kosten explodieren.

Die Sun Fizz wurde von 1980 bis 1984 gebaut, unser Baby ist eines der Letzten, die gebaut wurden. Mit einer Verdrängung von ca. 7500 kg ist sie für damalige Verhältnisse ein Leichtgewicht, mit der heutigen Bautechnik könnte nochmals viel Gewicht gespart werden. Allerdings traue ich der massiven Bauweise von 1984 mehr Belastbarkeit zu als der der heutigen GFK Boote (vielleicht irre ich mich, ich will das aber gar nicht herausfinden).